Wasserstoff, LH2 und deutsche Ingenieurskunst: Die Strategie von Prof. Christian Mohrdieck

Wasserstoff, LH2 und deutsche Ingenieurskunst: Die Strategie von Prof. Christian Mohrdieck, Board Member beim Hydrogen Sart-up Pajarito Powder

Die Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs steht an einem Wendepunkt. In einem aktuellen Diskurs liefert Professor Christian Mohrdieck (Experte für Brennstoffzellentechnologie) entscheidende Einblicke in die Zukunft der Antriebstechnik. Von der Debatte um Flüssigwasserstoff bis hin zur kritischen Analyse der deutschen Innovationsgeschwindigkeit – hier sind die Kernpunkte für Entscheider und Ingenieure.

1. Technologiestrategie: Warum die Batterie allein nicht reicht

Mohrdieck betont, dass die Vision einer rein batterieelektrischen Welt zu kurz greift. Für eine resiliente Logistik benötigen wir eine Vielfalt der Antriebe, um unterschiedliche Nutzungsprofile abzudecken.

  • Das Henne-Ei-Dilemma: Der Rollout von Fahrzeugen und der Aufbau der Infrastruktur müssen synchron erfolgen. Alle Partner der Wertschöpfungskette stehen hier in der Pflicht.

  • Globale Standards: Sicherheit und Effizienz hängen von Standards ab. Während 700 bar bei Pkw etabliert sind, rückt bei schweren Nutzfahrzeugen eine andere Technologie in den Fokus

hydrogen fuel cell system diagram, KI-generiert 2. Flüssigwasserstoff (LH2) - Warum Flüssigwasserstoff der Gamechanger für Lkw ist Für den Fernverkehr identifiziert Mohrdieck Flüssigwasserstoff (LH2) als die langfristige Lösung. Die Vorteile gegenüber gasförmigem Wasserstoff sind signifikant:

  • Höhere Energiedichte: LH2 ermöglicht die Mitnahme von 60–80 kg Wasserstoff bei geringerem Platzbedarf.

  • Wirtschaftlichkeit: Kürzere Tankzeiten senken die Betriebskosten, da Standzeiten in der Logistik teure Arbeitszeit sind.

  • Infrastruktur: LH2-Tankstellen sind potenziell kostengünstiger in der Skalierung als komplexe Hochdruck-Gassysteme.

Wichtig: Das Brennstoffzellensystem selbst bleibt "agnostisch". Es kann sowohl mit gasförmigem als auch mit flüssigem Wasserstoff betrieben werden – entscheidend ist die Reinheit des Mediums für die PEM-Brennstoffzelle.

3. Status Quo der Industrie: Qualität vs. Geschwindigkeit - Wie lösen wir den Standort aus seiner Erstarrung

Ein kritischer Punkt der Analyse betrifft den Standort Deutschland. Die deutsche Ingenieurskunst genießt weltweit einen Ruf für Zuverlässigkeit und Wartungsqualität, doch sie steht vor einer harten Bewährungsprobe.

  • Das Exekutionsproblem: Die größte Herausforderung in Europa ist der Transfer von der Erfindung zur Marktinnovation.

  • Speed is Key: Deutschland muss das Gleichgewicht zwischen gründlicher Validierung und radikaler Entwicklungsgeschwindigkeit neu finden.

  • Internationaler Wettbewerb: Während die USA risikofreudiger agieren und China durch massive staatliche Unterstützung und unkonventionelle Fertigung den Sektor zu dominieren droht, punkten Japan und Südkorea durch ihre enorme strategische Ausdauer.

4. Politische Forderungen: Technologieoffenheit statt Dogmatismus

Mohrdieck plädiert für eine pragmatische Politik, die den CO2-Ausstoß als zentrale Metrik nutzt.

Maßnahme

Empfehlung von Prof. Mohrdieck

Förderfokus

Technologieoffenheit statt Fixierung auf eine Antriebsart

Anreize

Aggressive Steuererleichterungen für investitionswillige Unternehmen

Lenkungswirkung

CO2-Steuer als marktwirtschaftliches Instrument

5. Karriere-Rat: Was junge Ingenieure heute brauchen

Zum Abschluss gibt Mohrdieck einen wertvollen Rat für die nächste Generation von Fachkräften. In einer sich schnell wandelnden Welt ist Stamina (Ausdauer) die wichtigste Währung.

  1. Breites Fundament: Bauen Sie eine breite technisch-wissenschaftliche Basis auf, bevor Sie sich spezialisieren.

  2. Lebenslanges Lernen: Die Verpflichtung zur ständigen Weiterbildung ist in der Wasserstoffwirtschaft essenziell.


Mut zur Entscheidung:
Führung bedeutet, Stillstand zu vermeiden und auch unter Unsicherheit mutige technologische Pfade einzuschlagen.
Den ganzen Podcast gibt es unter: https://www.youtube.com/watch?v=x1uaiMM4Fts

- Grafik von Getty Images - 

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