Wer baut die modernen Autos?
Vom Teilelieferanten zum Technologiepartner: Wie Zulieferer das Auto verändern
Die Wertschöpfung im Automobilbau verschiebt sich. Software, Elektronik und intelligente Systeme gewinnen an Bedeutung. Damit wächst auch die Rolle der Zulieferindustrie – als Technologielieferant und Entwicklungspartner der Fahrzeughersteller.
Wenn sich die Automobilindustrie vom klassischen Maschinenbau zur softwaregestützten Mobilität entwickelt, verändert sich auch die Arbeitsteilung zwischen Herstellern und Zulieferern. Das Auto entsteht längst nicht mehr allein in den Entwicklungszentren und Montagewerken der großen Marken. Ein erheblicher Teil seiner Komponenten und Technologien kommt von spezialisierten Unternehmen.
Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) entfallen bis zu 75 Prozent der Wertschöpfung eines Fahrzeugs auf Zulieferer. Diese Größenordnung verdeutlicht ihre Bedeutung für den Automobilbau. Sie umfasst allerdings nicht ausschließlich Software und Elektronik, sondern auch mechanische Komponenten, Materialien und komplette Systeme.
Software wird zum Wettbewerbsfaktor
Parallel zur klassischen Zulieferindustrie wächst die Bedeutung spezialisierter Software- und Elektronikkompetenz. Fahrerassistenz, Infotainment, Vernetzung und Batteriesteuerung sind Beispiele für Funktionen, die moderne Fahrzeuge prägen. Software entscheidet zunehmend darüber, welche Funktionen ein Fahrzeug bietet und wie es sich über seinen Lebenszyklus weiterentwickeln lässt.
Eine häufig zitierte OECD-Schätzung beziffert den Softwareanteil an der automobilen Wertschöpfung für 2022 auf rund 20 Prozent. Für 2030 werden mehr als 40 Prozent prognostiziert. Diese Werte sind als Schätzungen beziehungsweise Zukunftsprognosen zu verstehen, nicht als einheitlich erhobene Statistik für jedes Fahrzeugsegment.
Zugleich investieren Hersteller stärker in eigene Softwareplattformen. Spezialisierte Zulieferer und Entwicklungsdienstleister bleiben wichtige Partner, etwa bei Steuergeräten, Sensorik, Softwaremodulen und integrierten Fahrzeugsystemen. Die Grenzen zwischen klassischem Komponentenlieferanten und Technologiepartner verschieben sich damit.
Mehr Technologie, neue Anforderungen an die Zusammenarbeit
Auch die Beschäftigungsstruktur spiegelt diesen Wandel wider. Laut einer vom VDA beauftragten Prognos-Studie ist die Zahl der Beschäftigten in IT-Berufen innerhalb der deutschen Automobilindustrie zwischen 2013 und 2023 um rund 85 Prozent gestiegen. Das unterstreicht den wachsenden Stellenwert digitaler Kompetenzen. Eine vollständige Zahl aller Automotive-Softwarebeschäftigten in Deutschland lässt sich daraus allerdings nicht ableiten, weil Fachkräfte auch bei externen IT-Unternehmen und Entwicklungsdienstleistern arbeiten.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Zulieferer zeigt sich zudem in den Beschäftigtenzahlen: Für 2025 weist die Branchenstatistik rund 456.000 Beschäftigte bei Herstellern von Kraftwagen und -motoren sowie etwa 237.000 bei Herstellern von Kraftwagenteilen und -zubehör aus. Die Zahlen beziehen sich auf Wirtschaftszweige und erfassen nicht sämtliche Unternehmen, die für die Automobilindustrie tätig sind.
Eine Branche im Wandel
Die Entwicklung ist mehr als eine Verschiebung zwischen einzelnen Komponenten. Sie verändert die industrielle Arbeitsteilung: Mechanik, Elektronik und Software müssen enger zusammenarbeiten. Zugleich steigen die Anforderungen an Systemintegration, Energieeffizienz, Sicherheit und digitale Funktionen.
Damit wächst die Bedeutung eines leistungsfähigen Zuliefernetzwerks. Die Zukunft des Automobils wird nicht allein von den Herstellern gestaltet, sondern im Zusammenspiel mit jenen Unternehmen, die Technologien entwickeln, Komponenten fertigen und Systeme integrieren.
Der Wandel vom Fahrzeug zum softwaregestützten Gesamtsystem macht die Zulieferindustrie nicht weniger wichtig – sondern technologisch anspruchsvoller.
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Die genannten 20 beziehungsweise über 40 Prozent sind nicht direkt mit dem Zulieferanteil von bis zu 75 Prozent vergleichbar, da die Kennzahlen unterschiedliche Aspekte der Wertschöpfung beschreiben.
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